Wenn man eine Reise tut…. ja, ich bin bekennender Ausrüstungs-Freak. Schon zur Balkanreise letzten Mai hatte ich mich eingedeckt, drum dachte ich, für Marokko bräuchte ich nicht viel. Aber natürlich weit gefehlt. Balkan ist nicht Marokko, Offroad ist nicht Straße.
Es fängt bei den Klamotten an: Meine (im Rahmen der Möglichkeiten) erprobten Daytona Tourenstiefel sind nix für lange Etappen im Stehen, zu weiche Sohle. Also Endurostiefel. So gerne wie ich „Support your local dealer“ propagiere, aber für Enduroreisen gibt es tatsächlich wenig Shops, die hinreichend Angebot haben. Bei den üblichen Verdächtigen (Polo, Louis) wurde mir gesagt „das läuft nicht, das Angebot haben wir reduziert“. Schonmal Schuhe im Internet gekauft? Irgendwie ein komisches Gefühl. Aber hilft nix. Ein Riesenkarton mit vier paar Endurostiefeln wurde geliefert, ein Tag lang alle anprobiert, rumgelaufen, getestet, Schnallen auf und zu, am Ende ein Paar ausgewählt und den Rest wieder zurückgeschickt (genau: sträflich, der CO2-Footprint für diese Aktion ist unverzeihlich, aber ehrlich: Es gibt im Umkreis von 100 Kilometer kein Geschäft, welches eine ausreichende Auswahl hat).

Mit klassischer Tourenbekleidung (Goretex-Jacke und -Hose) wird es in Marokko zu warm, man fährt mit luftiger Endurohose und Cross-Short, ohne eigene Protektoren. Ehrlicherweise wollte ich so ein separates Protektor-Shirt eh haben, darüber kann dann jede Oberbekleidung gewählt werden (Sakko, T-Shirt, Hoodie, was weiß ich), und für die Tour bot sich das an. Da die Endurohosen keine Knie-Protektoren haben, mussten noch separate Knieschützer her (erlaubt mir dann aber auch das Fahren mit Jeans oder anderen Hosen). Wie schon bei den Schuhen: Hosen und Knieschützer in allen Varianten bestellt, anprobiert, Rest zurück. Langsam nervt es, dass hier kein Shop in der Nähe zu finden ist.
Meine geliebten Handschuhe, die meinen Abflug auf der Autobahn abgebremst hatten,

ließ ich letztes Jahr von einem Schuhmacher flicken, aber das hat leider nicht lange gehalten. Also auch diese Handschuhe wieder neu besorgen (zumindest wusste ich hier die richtige Größe und das Modell).
Da hatte ich mir im letzten Herbst schon einen neuen Helm besorgt (der alte, zur Erinnerung, sieht so aus):

aber in sonnigen Gegenden bei nicht so hohen Geschwindigkeiten bietet sich ein Endurohelm mit „Sonnenschirm“ an, so wie eine Basecap. Das in den modernen Helmen übliche Sonnenvisier ist auf der Straße eine wunderbare Sache, aber auf Piste ist der reduzierte Kontrast durch das dunkle Visier schon ein Problem.
Ein anderes Problem ist die notwendige regelmäßige Versorgung mit Flüssigkeit. Keiner fährt lange Offroad in warmen Gegenden ohne Trinkrucksack, weil keiner permanent anhält, absteigt, die Gepäckrolle abschnallt, aufzippt, eine Flasche Wasser rausholt, trinkt, und alles wieder einpackt. Ich erinnere mich an meine erste Wüstenrallye im Toyota, selbst da im Auto haben wir zuwenig getrunken, und erst als ich am Käfigrohr rechts und links einen Fahrradflaschenhalter angebracht und dort eine passende Trinkflasche eingesteckt hatte, klappte das mit dem Trinken während der Fahrt. Zumal wir ja in Marokko das Gepäck im Begleitfahrzeug haben und wir sonst nix auf dem Motorrad mitnehmen müssen. Da bietet sich ein zumindest kleines Behältnis für die Sachen an, die man halt gerne dabei hat (genau, auch die Dampfe). So ein Trinkrucksack (3 Liter Wasser) mit ein paar Litern Gepäckabteil ist da sehr praktisch.
Und dann, nun, dann wurde ich einfach schwach: Es musste noch eine GoPro her. Meine erste 2-rädige Wüstentour ohne bewegte Bilder konnte ich mir nicht vorstellen. Von den Toyota-Rallyes habe ich wunderbare Videos, aber die Kamera war a) echt 80-iger (noch mit Magnetbändern und so), und b) viel zu schwer für ein Motorrad. So eine GoPro ist schon wirklich wirklich klein, kann (zeitgemäß) übers Handy gesteuert werden und macht irre gute Aufnahmen. Dazu noch ein paar Halter (für den Helm, den Rucksack, und an verschiedenen Stellen am Fahrzeug).
Das wars dann auch so langsam. Alles für Camping (ja, 14 Tage Camping) hatte ich schon, doch werde ich wohl beim ersten Aufbau des Zeltes wieder eine halbe Stunde brauchen, wie einst beim Testen im letzten Jahr.

Auch meine Espressomaschine wird mit dabei sein (Kaffee muss schon sein), der Tankrucksack (der hinten auf den Gepäckträger geschraubt wird), und selbst die billige Casio-Uhr, die ich für die Balkanreise gekauft hatte und den Autobahnsturz (mit einigen Schrammen) überlebt hat (Respekt), kommt mit.
Gleichwohl wir ja hinter dem Guide hinterherfahren, nehme ich das Garmin mit, die OSM-Marokko Karte ist schon geladen. Man weiß ja nie, wo man landet…
Das wäre der Teil der Ausrüstung. Klingt nicht viel (oder?), aber die Sucherei war (wie erwähnt) lästiger als gedacht. Nun bleibt nur zu Hoffen, dass das Equipment taugt.